Tänze, Gespräche und Schicksale

6. Interkultureller Abend in der Martin-Luther-Kirche

 

Nicole Fritz

13. Februar, `s Blättle

 

Lebendig, farbig und äußerst denkwürdig, so stellten, „eritreische Stuttgarter“ am vergangenen Freitag Abend in der evangelischen Kirchengemeinde ihre Kultur sowie die soziale, wirtschaftliche und politische Situation ihres Landes vor. Landestypische Sitten und Bräuche, eritreisches Essen, Trachten, Tänze, Musik, Infotafel sowie eine Diashow ersetzten den Vortragscharakter durch kurzweilige Information und das Programm bot ideale Möglichkeiten zum weiteren persönlichen Austausch. Ein Höhepunkt des Abends war sicher auch die eritreische Kaffeezeremonie.

 

In dem nordostafrikanischen Land am Roten Meer beginnt beispielsweise jedes Fest mit der Nationalhymne, wie Pfarrer Rudolf Lughofer am Anfang der gedanklichen Reise erzählte und so begann auch der Freitagabend mit gemeinsamen Gesang. Junge Musiker in Landestracht setzten dazu den musikalischen Rahmen. Es folgten Schilderungen über das größtenteils recht karge Land, über ein Selbsthilfeprojekt für behinderte Eritreer und vor allem Erzählungen, wie sich der Unabhängigkeitskrieg von Äthiopien auf einzelne Schicksaale ausgewirkt hat.

 

1952 wurde Eritrea in einer Förderation an Äthiopien gebunden, womit das eritreische Volk nicht einverstanden war. Es begann ein Kampf um das Selbstbestimmungsrecht und einen unabhängigen souveränen Staat Eritrea. Nach einem Guerillakrieg unterstützen internationale Partner schließlich die Befreiungsbewegung und die jeweils unterschiedlichen Interessen hielten den Konflikt über Jahrzehnte aufrecht. Dürreperioden erschwerten die Situation im Land erheblich, so dass es zu massiven Flüchtlingsströmen kam.

 

Im Hebst 1989 begann auf Vermittlung durch Jimmy Carter ein inoffizieller Waffenstillstand mit Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen, die allerdings erfolglos verliefen. Daraufhin setzten Kämpfe wider ein. 1991 endete der Krieg offiziell mit dem Einmarsch der Befreiungsfront EPLF, zwei Jahre später überwachte die UNÜ ein Unabhängigkeitsreferendum und im Mai 1993 erhielt das christlich-islamische Land internationale Anerkennung als eigener Staat Eritrea. Die Übergangszeit begann. Im Jahr 1996 entwarf man eine Verfassung. Heute ist Eritrea eine Republik mit dem Prinzip der Gewaltenteilung und einen präsidialen Staatsoberhaupt. Die Beziehungen zum Nachbarn Äthiopien sind heute friedlich.

 

„Seit einigen Jahren lebt in unserem Kirchengebäude auch eine eritreische Familie, da lag es nahe einen Abend über das Land zu machen. Es gab Interesse seitens der Gemeinde und auch seitens der Veranstaltungspartner und die Eritreer haben sich sehr engagiert! Sagt Rudolf Lughofer über den Kulturabend. Mittlerweile ist das Konzept des Interkulturellen Abends eine beliebte Veranstaltung im Stadtbezirk.

 

Auch der 6. Interkulturelle Abend war wieder eine Benefizveranstaltung. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern kommt dem Eritreischen Verein für Körperbehindert in Stuttgart e.V. zugute, welche die Interessen behinderter Menschen gegenüber der Öffentlichkeit vertritt. Der Verein unterhält außerdem ein Projekt in Eritrea, das Behinderten hilft, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Die Geförderten erhalten Kredite, die sie nach erfolgreicher Existenzgründung in einen Fonds zurückbezahlen.